Die bibliothekarische Provenienzforschung ist in hohem Maße von der Qualität, Struktur und technischen Zugänglichkeit der Erschließungsdaten abhängig. Die Verzeichnung von Provenienzmerkmalen in Bibliothekskatalogen hat Standards etabliert, die es erlauben, Besitz-, Erwerbungs- und Exemplargeschichte einrichtungsübergreifend zu vergleichen. Mit der Einführung des Datenfelds 361 steht auch im bibliothekarischen Austauschformat MARC 21 (Machine-Readable Cataloging) eine Möglichkeit zur strukturierten Provenienzverzeichnung zur Verfügung. Der Vortrag gibt zunächst eine kompakte Einführung in Aufbau, Codierung und Erschließungspraxis dieses Feldes und diskutiert dessen Potenziale für die wissenschaftliche Nachnutzung.
Darauf aufbauend liegt der Fokus auf der Vorstellung eines neu entwickelten Tools, das als Marimo-Notebook bzw. interaktive App konzipiert ist. Grundlage der Datenabfrage bildet die SRU-Schnittstelle (Search/Retrieve via URL) des k10plus-Verbundkatalogs, über die MARC-Daten gezielt recherchiert und strukturiert weiterverarbeitet werden können. Das Tool ermöglicht es, Provenienzdaten systematisch zu extrahieren, zu filtern, zu visualisieren und explorativ auszuwerten. Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, wie aus SRU-basierten Abfragen analysierbare Forschungsdaten entstehen.
Der Bericht versteht sich als praxisorientierter Einblick in die Verbindung von bibliothekarischer Erschließung, standardisierten Schnittstellen und digitaler Methodenkompetenz. Diskutiert wird, inwiefern verbundkatalogbasierte Provenienzdaten über APIs für quantitative, vergleichende oder projektbezogene Fragestellungen nutzbar gemacht werden können und welche Rolle transparente, leicht zugängliche Werkzeuge wie Marimo in diesem Kontext spielen.
Roman Kuhn studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und wurde in diesem Fach promoviert. Forschungsaufenthalte und -projekte zur Französischen Literatur führten ihn unter anderem nach Oxford, wo er auch an einem kleineren Projekt zur Provenienzerschließung an der Bodleian Library beteiligt war. Nach Abschluss eines Masterstudiengangs in Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stabi Lab der Staatsbibliothek zu Berlin und beschäftigt sich dort mit Fragen der digitalen Sammlungserschließung, der Nachnutzung bibliographischer Daten für Forschungszwecke sowie der digitalen Kompetenzvermittlung.
Online-Vortragsreihe im Verbundprojekt SODa – Sammlungen, Objekte, Datenkompetenzen an der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland, Humboldt-Universität zu Berlin
Provenienzforschung wird immer digitaler: Sei es bei der Erschließung von Quellenmaterial, beim Nutzen der zahlreich bestehenden Datenbanken zur Recherche oder bei der visuellen Auswertung von Forschungsdaten. In den „Werkstattberichten Digitale Provenienzforschung“ geben Forschende Einblicke in digitale Methoden, Werkzeuge, Praktiken und Ressourcen.
Kontakt: gabriele.zoellner@hu-berlin.de