Werkstattbericht Digitale Provenienzforschung: ThULB Provenance – Einblicke in das Jenaer Forschungsprojekt der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

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ThULB Provenance – Einblicke in das Jenaer Forschungsprojekt der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

Friederike Schwalbe (Jena)

Die Provenienzforschung in deutschen Bibliotheken ist in den letzten Jahren weit vorangeschritten und hat, insbesondere in Bezug auf NS-verfolgungsbedingte Entzüge, zahlreiche wichtige Erkenntnisse zutage gefördert und Restitutionen ermöglicht. Die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) hat im Jahr 2022 ihr vom Deutschen Zentrum Kulturverluste (DZK) gefördertes Provenienzforschungsprojekt "Provenance. Verdachtsfälle von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut an der Universitätsbibliothek Jena (1933-1945)" begonnen und seither umfangreiche Verfolgungs- und Beschlagnahmekontexte aufdecken können. Mit einem Bücherbestand von ca. 2 Millionen Bänden im „Alten Bestand“ steht die ThULB damit jedoch weiterhin vor einer großen Aufgabe in wissenschaftlicher Forschung, Dokumentation und bibliothekarischer Erschließung. Über 40.000 am Regal gesichtete Bände haben eine Überprüfung erfahren. Über 6.800 Bände wurden bereits autopsiert und davon knapp 4.000 Titel bibliothekarisch erschlossen. Um den großen Mengen an Büchern im Projekt gerecht zu werden, musste ein neuer Workflow entwickelt werden, der die wissenschaftliche Recherche, die bibliothekarische Erschließung, die Digitalisierung, die Benutzung und die Anreicherung durch GND-Daten einschließt. 
Neben der Herausforderung im Umgang mit großen Bücher- und Datenbeständen in der Provenienzforschung geht der Beitrag auf den entwickelten Worflow ein, der an entstehende Veränderungen im Haus anzupassen und stufenweise weiterzuentwickeln war. Insbesondere zeigt der Beitrag, dass Testinstanzen ein wichtiges Werkzeug bei Arbeitsvorgängen der Provenienzforschung sein können und in anderen Bereichen der Datenarbeit in Bibliotheken reproduziert und genutzt werden können.

Friederike Schwalbe ist promovierte Kunsthistorikerin mit den Schwerpunkten Verfolgungs- und Entziehungskontexte im Nationalsozialismus sowie der Moderne vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie hat zu NS-verfolgungsbedingten Entzügen in Kunstsammlungen geforscht und über die Kunstvereinslandschaft zwischen 1860 und 1945 promoviert. Nach ihrer an der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der FU Berlin verfassten Bachelorthesis war sie eine Zeit in der AG „NS-Raubgut“ der Klassik Stiftung Weimar tätig. Seit August 2022 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena im Digitalen Kultur- und Sammlungsmanagement und leitet das Provenienzforschungsprojekt zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern.

 

Online-Vortragsreihe im Verbundprojekt SODa – Sammlungen, Objekte, Datenkompetenzen an der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland, Humboldt-Universität zu Berlin

Provenienzforschung wird immer digitaler: Sei es bei der Erschließung von Quellenmaterial, beim Nutzen der zahlreich bestehenden Datenbanken zur Recherche oder bei der visuellen Auswertung von Forschungsdaten. In den „Werkstattberichten Digitale Provenienzforschung“ geben Forschende Einblicke in digitale Methoden, Werkzeuge, Praktiken und Ressourcen.

Kontakt: gabriele.zoellner@hu-berlin.de
 

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