Dokumentation der Provenienzforschung in Worddokumenten. Ein datenbasiertes Format als Desiderat für den Informationsaustausch mit Sammlungsdatenbanken
Nora Rub, Sonja Grasser (Winterthur)
Rund 100 000 Objekte befinden sich in der Sammlung der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, von denen mindestens 1500 Kunstwerke im Rahmen des laufenden Projekts Provenienzforschung hinsichtlich eines möglichen unrechtmässigen Entzugs während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland untersucht werden. Daraus ergeben sich nach aktuellem Dokumentationsstandard mindestens genauso viele Word-Datenblätter, gefüllt mit Einzelrecherchen in Literatur, Datenbanken und Archiven.
Was passiert, wenn sich nun das Corporate Design ändert und über alle Datenblätter angepasst werden muss? Wie können wir Informationen zu Künstlern, Provenienzmerkmalen oder Voreigentümern miteinander verknüpfen? Wie kann man die Daten in MuseumPlus, die Sammlung digital oder andere Formate exportieren?
Um diese Fragen zu lösen, überlegen wir, eine Linked-Data-Plattform als virtuelle Dokumentations- und Forschungsumgebung zu entwickeln, sodass die komplette Recherchedokumentation in Form von Word-Datenblättern künftig entfällt. Eine solche Forschungsplattform findet in der Provenienzforschung unserer Kenntnis nach bisher keine Anwendung, könnte jedoch die Arbeit zahlreicher Provenienzforscher:innen vereinfachen:
Umfangreiche Forschungs- und Dokumentationsoberfläche
Verknüpfung von Bildern, Quellen und Literatur
Import von vorhandenen Daten aus Museumsdatenbanken
Export in verschiedene Formate (Datenblätter, Sammlung Digital, Datenbanken etc.)
Nutzungsmöglichkeit für viele Bereiche der Objektforschung
Die Planung und Umsetzung einer solchen Plattform ist eine Herausforderung, der wir uns aktuell stellen - gerne mit Anregungen aus der Fachgemeinschaft oder in Kooperation.
Nora Caroline Rub (geb. Halfbrodt) ist seit 2022 Koordinatorin der Provenienzforschung an der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte in Winterthur (CH). Zuvor war sie als Provenienzforscherin an der Staatsgalerie Stuttgart sowie am Martin-von-Wagner-Museum der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg tätig. Sie studierte Museologie, materielle Kultur und Kunstgeschichte (BA) an der JMU sowie Museum & Gallery Studies (MLitt) an der University of St Andrews und promoviert aktuell im Fach Museumswissenschaft in Würzburg. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit NS-verfolgungsbedingtem Entzug sowie mit Fragen der Veröffentlichung und Vermittlung von Provenienzforschung. Darüber hinaus interessieren sie der Ausbau digitaler Forschungsinfrastrukturen, nachhaltige Projektstrukturen und professionelles Projektmanagement im Forschungskontext. Ihr Ziel ist es, Provenienzforschung nicht nur als wissenschaftliche Praxis, sondern auch als transparente, zugängliche und dialogorientierte Aufgabe von Museen & Sammlungen weiterzuentwickeln.
Sonja Gasser ist seit 2022 als Projektleiterin Dokumentation und Information bei der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) in Winterthur für die «Sammlung digital» verantwortlich. Die Kunsthistorikerin und digitale Geisteswissenschaftlerin promovierte 2022 mit der mit Dissertation «Transformative Digital Collections of Art – Data in Museums and Digital Art History» an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2020 bis 2022 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Digital Humanities an der Universität Bern. Von 2017 bis 2020 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Grafischen Sammlung am Kunsthaus Zürich. Sie ist Mitgründerin des Webforums «Digitale Sammlungen» zum Austausch über digitale Museumsthemen in der Schweiz und darüber hinaus.