Abendvortrag von Linda Hacka, Potsdam, und Lisa Weiß, Berlin
in Kooperation mit dem Forum Kunst und Markt / Centre for Art Market Studies
Kunstwerke tragen nicht nur ikonographische Bedeutungen, sondern auch komplexe, oft fragmentarisch überlieferte Objektbiografien. Diese erzählen von Besitzwechseln, Handelswegen und politischen Umbrüchen und verweisen auf die vielfältigen Akteur:innen, die an der Zirkulation von Kunst beteiligt waren. Die Rekonstruktion dieser Verflechtungen stellt die Provenienz- und Kunstmarktforschung jedoch weiterhin vor methodische und infrastrukturelle Herausforderungen.
Der Vortrag präsentiert die digitale Plattform „Networks of Impressionism“, die das Museum Barberini, Potsdam, in Kooperation mit Navigating.art in Berlin und dem Wildenstein Plattner Institut in New York entwickelt. Ausgangspunkt des Projektes ist die systematische Aufbereitung der Provenienzen der Werke des französischen Impressionismus aus der Sammlung Hasso Plattner sowie die Erfassung von beteiligten Künstler:innen, Händler:innen, Sammler:innen und Institutionen sowie ihren Beziehungen. Ziel ist es, die sozialen, ökonomischen und institutionellen Netzwerke des französischen Impressionismus zwischen den 1850er und 1950er Jahren mittels relationaler Datenstrukturen und digitaler Analysetools sichtbar zu machen. Anhand konkreter Beispiele und einer praxisorientierten Demonstration werden die aktuellen Entwicklungen und Funktionen der Plattform vorgestellt.
Darüber hinaus wird darauf eingegangen, wie die Plattform in einer Ausstellung des Museums Barberini Berücksichtigung finden soll sowie ein Ausblick in die zukünftige Weiterentwicklung der Plattform als offene, kollaborative Forschungsinfrastruktur gegeben, die über den aktuellen Sammlungs- und Ausstellungskontext hinaus neue Perspektiven auf den Impressionismus ermöglicht.
Linda Hacka arbeitet seit 2016 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Barberini und ist hier seit 2020 zuständig für die Provenienzforschung. In dieser Funktion erforscht sie die impressionistischen Werke der Sammlung Hasso Plattner und vermittelt die Bedeutung der Provenienzforschung in Führungen und Vorträgen. Zuvor studierte sie Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Englische Philologie in Münster und Berlin. Anschließend erschloss sie als freie Mitarbeiterin verschiedene private Kunstsammlungen und recherchierte zur Herkunft der Werke. Von 2015 bis 2017 war sie für die „Taskforce Schwabinger Kunstfund“ und das Folgeprojekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste tätig. Zu ihren jüngeren Projekten am Museum Barberini gehören begleitende Provenienzrecherchen zur Ausstellung Modigliani. Moderne Blicke (2022/23) sowie die digitale Plattform „Networks of Impressionism“ (seit 2024), an deren inhaltlicher sowie konzeptioneller Entwicklung sie maßgeblich beteiligt ist.
Lisa Weiß ist seit 2021 bei der gemeinnützigen Organisation Navigating.art tätig, wo sie als Product Lead die Plattformentwicklung für digitale Forschungsprojekte verantwortet und zwischen technischer Entwicklung und kunsthistorischer Forschung vermittelt. Während ihres Masterstudiums der Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin spezialisierte sie sich auf Provenienzforschung und sammelte erste Berufserfahrung in einem großangelegten Digitalisierungsprojekt zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Erschließung komplexer Forschungsdaten durch strukturierte Workflows und digitale Tools. Sie begleitet die Entwicklung digitaler Werkverzeichnisse, darunter zu Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Edgar Degas, und gestaltet seit 2024 in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini die digitale Plattform „Networks of Impressionism“.