Strukturierung von Provenienzangaben

Was ist eine Provenienzangabe? 

Im „Leitfaden zur Standardisierung von Proveineinzangaben“ ist dem Bedarf der Community nach einer Vereinheitlichung der Struktur und des Sprachgebrauchs im Erfassen von Provenienzen nachgekommen. Er erklärt an Beispielen die Bestandteile und den Aufbau einer Provenienzangabe und gibt Vorschläge für zu verwendendes Vokabular. Er ist als Inspiration bzw. Hilfswerkzeug zu versehen und hauptsächlich für Printpublikationen ausgelegt.

Es wird definiert, dass eine Provenienzangabe darüber Auskunft gibt, WANN WER ein Kulturgut besessen, WIE und WO ein Eigentumswechsel stattgefunden hat und WODURCH dieser Vorgang nachgewiesen werden kann. Sie ist in chronologischer Reihenfolge und möglichst ohne Lücken – wenn vorhanden, dann sind diese deutlich kenntlich zu machen – anzugeben. (Leitfaden zur Standardisierung von Provenienzangaben 2018, S. 7)

Folglich stehen in der Modellierung von Provenienzen die Entitäten Person, Körperschaft, Ort, Zeit(spanne), Erwerbungsart und -wert sowie der zugehörige Nachweis zur Aufstellung einer Provenienzkette ebenso wie die Darstellung bzw. Modellierung von Unsicherheiten im Vordergrund.

Andratschke, Claudia, Jasmin Hartmann, Johanna Poltermann, Brigitte Reuter, Iris Schmeisser, und Wolfgang Schöddert. „Leitfaden zur Standardisierung von Provenienzangaben“. 2018. https://www.arbeitskreis-provenienzforschung.org/wp-content/uploads/2022/10/Leitfaden_APFeV_online.pdf.

 

Warum Provenienzen strukturieren?

Eine einheitliche Regelung für die Zusammenfassung von Eigentums-, Besitz und Standortwechseln von Kulturgütern unter Verwendung von kontrollierten Vokabularen und Normdaten sowie die Kennzeichnung von Wissens- und Überlieferungslücken ermöglichen

  • eine vereinfachte Erfassung, Verarbeitung, Pflege, Abfrage/Nutzung und Verbreitung von Provenienzangaben im digitalen Raum
  • die Vermeidung von Doppelt- und Mehrarbeit
  • eine weiterführende datenbasierte Provenienzforschung

 

Metadatenschemas mit Provenienzangaben

Ein Metadatenschema ist im Sammlungskontext eine standardisierte Erfassungsschablone, die festlegt, welche Metadaten zu einem Objekt erfasst werden, wie diese strukturiert sind und in welcher Beziehung sie zueinanderstehen, damit Sammlungsdaten einheitlich dokumentiert, ausgetauscht und maschinell verarbeitet werden können. In einigen Metadatenschematas sind explizit Felder für Provenienzen der Objekte beachtet. Hier ist eine Auswahl zusammengestellt: 

 

Minimaldatensatz

Die Minimaldatensatz-Empfehlung benennt die wichtigsten Datenfelder für die Online-Publikation von Objektinformationen aus Museen und Sammlungen und gibt Hinweise, wie diese Felder zu füllen sind. "Minimaldatensatz" steht dabei fach- und museumsartübergreifend für eine kleinstmögliche Schnittmenge wichtiger Datenfelder, die ein Minimum an Datenqualität sicherstellt.

Link:

https://wiki.deutsche-digitale-bibliothek.de/spaces/DFD/pages/120422678/Minimaldatensatz-Empfehlung+für+Museen+und+Sammlungen+MDS+v1.1

Zur Provenienz siehe: Ereignis in der Objektgeschichte [Feldgruppe] (Pflicht):

https://wiki.deutsche-digitale-bibliothek.de/spaces/DFD/pages/120422765/Ereignis+in+der+Objektgeschichte+Feldgruppe+Pflicht

 

Linked Art Data Model 

Das Linked Art Data Model ist ein Anwendungsprofil, das zur Beschreibung von Kulturgütern verwendet werden kann, wobei der Schwerpunkt auf Kunstwerken und musealen Aktivitäten liegt. 

https://linked.art/model/

Zur Provenienz siehe: Object Provenance 

https://linked.art/model/provenance/

 

Marburger Metadatenschema

Die Publikation von Alexander Maul behandelt das Thema Metadaten für Sammlungsrepositorien. Sie besteht einerseits aus einer Markanalyse über zu verwendende Austauschformate, Datenmodelle, die Verwendung kontrollierter Vokabulare und Normdaten. Andererseits wird den Sammlungen der Philipps-Universität Marburg die Verwendung eines gemeinsamen Metadatenschemas vorgeschlagen, welches bei der Umsetzung eines sammlungsübergreifenden Objektportals verwendet werden sollte.

Maul, A. (2024). Sammlungsdigitalisierung an der Philipps-Universität Marburg 3—Metadaten für Sammlungen. Philipps-Universität Marburg. https://doi.org/10.17192/es2024.0935 

 

Schema Provenienzmodul der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen Bayern

Bei der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern wurde eine Datenfeldmatrix für die Provenienzforschung für entwickelt. Die Publikation von Sybille Greisinger beschreibt die aus Analysen und der Erfahrung aus Provenienzforschungsprojektenen Lösung, die  bereits in der Inventarisierungsdatenbank VINO der Landesstelle Einsatz findet.

Greisinger, S. (2026). Standards in der Erfassung von Museumsobjekten in der Provenienzforschung. Datenfeldmatrix für ein Provenienzforschungsmodul. In C. Bach, M. Topp, & Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen Bayern (Hrsg.), „Und dann haben wir noch das hier …“ Provenienzforschung für Museen. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. https://www.skd.museum/fileadmin/userfiles/Forschung/Dokumente/2022-12-20_Arbeitshilfen_Beratung_Provenienzforschung.pdf 

 

Darstellung von Provenienzketten im Frontend

Folgend sind einige Beispiele für die Darstellung von Provenienketten im Frontend als Good-Practice-Beispiele zusammengetragen:

 

Tabellen

Mit Tabellenkalkulationsprogrammen können ebenfalls Provenienzangaben strukturiert erfasst werden. Als Werkzeug kann eine tabellarische Erfassung benutzt werden für 

  • eine eigene Datenmodellierung
  • einen vorbereitenden Datenimport in eine Datenbankstruktur
  • ein eigenes Forschungsdatenmanagement

Die hier verlinkte Tabelle ist ein Work in Progress (von SODa) und dient als Inspiration zur eigenen Erfassung/Modellierung von Provenienzangaben. Sie zeigt als Beispiel die Provienienz eines Kunstwerkes aus dem „Leitfaden zur Standardisierung von Provenienzangaben“ unter Beachtung der einzelner Elemente einer ereigniszentrieten Modellierung.

https://docs.google.com/spreadsheets/d/14D1vQUDafm60izKozyULZW2wVIoEgHxBziyItVZ7mZo/edit?usp=sharing

Tipp: 
Ludwig, E. (2026, Februar 18). Excel als Werkzeug der Provenienzforschung? Methodische Überlegungen zur Datenmodellierung frühneuzeitlicher Bestände in Universitätssammlungen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18701204