Excel als Werkzeug der Provenienzforschung? Methodische Überlegungen zur Datenmodellierung frühneuzeitlicher Bestände in Universitätssammlungen
Elisa Ludwig (Ulm)
Excel dient in vielen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen bis heute als niedrigschwelliges Erstin-strument zur Erfassung sammlungs- und provenienzbezogener Daten. Der Werkstattbericht nimmt dies zum Anlass, Excel als Werkzeug der digitalen Provenienzforschung kritisch zu reflektieren. Aus-gangspunkt sind Sammlungsbestände der Ludwig-Maximilians-Universität München, die sich heute als Dauerleihgaben in verschiedenen Münchner Kulturinstitutionen befinden und in ihren Provenienzan-gaben wiederholt auf die sogenannte „Sammlung Orban“ verweisen. Diese geht auf den Jesuitenpa-ter Ferdinand Orban (1655–1732) zurück, der im 17. und frühen 18. Jahrhundert (unter anderem am Jesuitenkolleg Ingolstadt) durch Eigenanfertigungen, Schenkungen und Tauschpraktiken eine um-fangreiche frühneuzeitliche Sammlung aufbaute. Die Provenienzrekonstruktion dieser Bestände ist aufgrund fragmentarischer Quellenüberlieferung, der hohen Fluktuation der Objekte sowie wieder-holter Translokationen und Besitzerwechsel methodisch anspruchsvoller.
Im Rahmen eines Forschungsvorhabens wurde daher Excel eingesetzt, um Objektwege, Besitzverhältnisse und historische Kontexte einzelner Bestandsgruppen und Objekte ereignis- und objektbasiert zu modellieren. Der Vortrag diskutiert, inwiefern sich mit Excel Provenien-zen, Translokationen und Zustandsveränderungen strukturiert erfassen lassen. Hierbei wird insbesondere die transparente Trennung von Quelle, Interpretation und Rekonstruktion sowie die Modellierung von Unsicherheiten thematisiert. Excel wird dabei nicht als finales Erfassungs- und Modellierungswerkzeug verstanden, sondern vielmehr als eine flexible Zwischenlösung zu einem spä-teren, nachhaltigen, sammlungs- und forschungsbezogenen Provenienzforschungs-Datenmanagement.
Elisa Ludwig, M.A., studierte Geschichte und Kunstgeschichte unter anderem an der Ludwig-Maximilians-Universität München und schloss dort ihr Studium mit einer Arbeit zur Sammlung Orban ab. Sie forscht zu (digitaler) Provenienzforschung und Sammlungsgeschichte frühneuzeitlicher klösterlicher und universitärer Bestände. Von 2021 bis 2025 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Juniorprofessur für Provenienz- und Kulturgutforschung der LMU München. Seit 2025 arbeitet sie am Museum Ulm und betreut dort das DFG-geförderte Projekt „Die Direktionsakten des Museum Ulm (1933–1945)“.
Download
Ludwig, E. (2026, Februar 18). Excel als Werkzeug der Provenienzforschung? Methodische Überlegungen zur Datenmodellierung frühneuzeitlicher Bestände in Universitätssammlungen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18701204.
Online-Vortragsreihe im Verbundprojekt SODa – Sammlungen, Objekte, Datenkompetenzen an der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland, Humboldt-Universität zu Berlin
Provenienzforschung wird immer digitaler: Sei es bei der Erschließung von Quellenmaterial, beim Nutzen der zahlreich bestehenden Datenbanken zur Recherche oder bei der visuellen Auswertung von Forschungsdaten. In den „Werkstattberichten Digitale Provenienzforschung“ geben Forschende Einblicke in digitale Methoden, Werkzeuge, Praktiken und Ressourcen.
Kontakt: gabriele.zoellner@hu-berlin.de